Petra Schramm (Foto: apr)

Petra Schramm (Foto: apr)

Petra Schramm

“101 Köpfe und MEER” (die zentrale Arbeit der Ausstellung) denn:
“Am Meer lässt es sich leben!” (so die Brüder Peter und Thomas Brasch) – und darum, sehr verehrte Vernissage-Gäste, soll es gehen, denn darum geht es bei der Malerin Petra Schramm: um das Leben, das Lieben und das weiterleben. Der Tod? Tod, der nichts anderes als der uns berührendste Punkt dessen ist, an dem mit all unseren Sinnen uns erst klar wird, was das Leben ausmacht? Energie tanken!, neue Inspiration!, noch intensivere Dialoge!, neue Bilder! – “Der Focus ist immer das Leben!”, so sagt Petra.

Diese Ausstellung stellt uns Arbeiten der
Malerin Petra Schramm aus den Jahren 1999 bis 2011 vor.
Das wuchtige Motiv des Stierkampfes taucht in beiden Jahren auf und könnte durchaus als roter Faden taugen, weniger aus Gründen der Ästhetik, sondern wegen der Haltung, der ungeheuren Kraft und des Mutes, das uns in dieser heroisch-tragischen Schönheit auch die Eigenschaften des Menschen Petra Schramm sichtbar werden lässt.

Hartmut Fischer (Foto: apr)

Hartmut Fischer (Foto: apr)

Petra begann zu malen während ihrer Zeit bei
Christa Wolf, bei der sie von 1983-1990 unter anderem mit dem Manuskript „Kassandra“ beschäftigt war, was mich schwer beeindruckt hat, denn dieses Buch habe ich damals als ich es in der Schule gelesen hatte, als sehr intensiv empfunden.
Durch Christa Wolfs Rede zur Kleistpreisverleihung an Thomas Brasch 1987 entdeckte Petra diesen Dichter für sich und 1993 dann dessen Bruder Peter. Mit diesem entdeckte sie Portugal und Spanien und folglich als Malerin den Stierkampf als gewaltige Metapher des Lebens in seiner höchsten Intensität.
Ende 1998 kamen Petra und Peter das erste Mal in meinen damaligen Juliettes Literatursalon, kurz darauf, Anfang 1999 gehörte Peter für 2 Wochen zum Inventar, in dem er jeden Tag zum Schreiben und Malen kam. An einem dieser Tage hatte Petra die Idee, Thomas anzurufen und in die Galerie einzuladen. Kurz danach saßen dann die Gebrüder Brasch einträchtig und mit gegenseitigem liebevollen Respekt zusammen auf dem Sofa. Ich erzähle davon, weil ich gerade jetzt am Montag nochmal mit Petra über ihr Anliegen der 101 Köpfe gesprochen habe, nämlich zu zeigen, dass es im Grunde mehr Verbindendes bei den Brüdern gibt, als dass es das Feuilleton oder die Beiden sich selbst eingestehen wollten.
Die unten ausgestellten Radierungen sind neben den damals entstandenen Texten, Ergebnis seines damaligen intensiven Dialoges mit Fernando Pessoa.
Diese Künstlergemeinschaft von Petra und Peter endete jedoch einseitig und brutal 2001 mit dem Tod Peters dem kurz danach auch noch Thomas nachfolgte. Und zugleich ist es die Neufindung einer Malerin, die dagegenhält, sich nicht abgibt mit dem scheinbar Endgültigen, sondern mit aller Energie und Kreativität den Tod herausfordert und ihm in der Folge wundervolle Gemälde abringt.
… Mit dieser massiven Wand erzählt die Malerin* Petra Schramm* mit den Porträts Peter Brasch und Thomas Brasch die 101 Märchen der 2 Brüder, die obwohl sie sich liebten, nicht gemeinsam sich in dieser Welt zu Recht finden wollten. (Arbeit: “101 Köpfe und Meer”)
Außer am Meer vielleicht, denn da ist der Himmel weit genug.
Gerd Wolf organisierte die erste Ausstellung dieser Bilder 2002 im Amalienpark.
Petras Ringen um das Loslassen, Trauer, Wut und der Liebe zum Leben … so wurde es dieses Märchen der 101 Gebrüder Brasch, die gemeinsam am weiten Strand eines unendlich weiten Meeres-Horizontes uns Betrachtern, durch Petras Kunst entgegentreten, mit all ihren wundervollen Gedichten, ihren dunkelsten Zweifeln und zotigem Witz, Ironie, Sarkasmus, schönen Erzählungen und MEHR.
Nach dieser konkreten Trauerarbeitet schließt sich eine intensive Beschäftigung mit Goya an und ebenso kehren die Farben zurück, die Nacht lichtet sich, ein neuer Morgen bricht an und mit dem Umzug in ein neues Atelier von Petra findet auch im Privaten eine neue harmonische Erdung statt.
Ihre aktuellen Bilder sind eine Erkundung alter neuer Orte ihres Berlins mit einer wundervollen Neugier auf Farben und Stimmungen und parallel dazu natürlich nach wie vor, der Dialog mit der Kunst und Künstlern, wie hier ausgestellt.
Lassen sie sich ein in diese Bilderwelt der Petra Schramm und ihren Geschichten, die sie erzählen, da steht sie, sprechen Sie sie an!
Gedenken Sie den Verstorbenen, indem Sie ihre Werke lesen;
Und wenden Sie sich jedoch ohne Furcht an die beiden Kuratorinnen, wenn Ihnen eins dieser Bilder besonders am Herzen liegt.
Herzlichen Dank an Petra Schramm und bitte MEHR!

Hartmut Fischer: Rede zur Vernissage „Petra Schramm: Nachtrag“
am 8. Dezember 2011 bei „art private room“ temporär in der Knaackstraße 86, Berlin Prenzlauer Berg

Hartmut Fischer (Inhaber: Juliettes Literatursalon,

http://www.hartmut-fischer.cultd.org